Musikverlage vor dem Aus

Musikverlage vor dem Aus : Wir sind finanziell am Limit angelangt

Ohne Konzerte oder Aufführungen werden auch keine Noten und Werke benötigt. Dies sorgt für Existenzängste einer ganzen Branche.
Bildbeschreibung einblenden.Ohne Konzerte oder Aufführungen werden auch keine Noten und Werke benötigt. Dies sorgt für Existenzängste einer ganzen Branche. Veranstalter, Kinobetreiber oder Theaterbesitzer werden als die größten Verlierer der Krise gesehen. Aber auch die Verlage klassischer Musik verlieren durch Corona 70 Prozent der Einnahmen. Wie geht es weiter?

Verlage klassischer und neuer Musik leben vom Verkauf oder Verleih des bei ihnen herausgegebenen Notenmaterials sowie von den Tantiemen der bei ihnen erschienenen, noch nicht gemeinfreien Werken. Die gegenwärtigen Einschränkungen oder gar Stilllegungen des Spielbetriebs bei Orchestern, Chören und Opernhäusern gefährden dieses Wirtschaftsmodell in seiner Substanz. Auf die Folgen dieser Situation gibt es eine kurzfristige und eine längerfristige Perspektive. Die kurzfristige folgt dem Motto „Nicht Genaues weiß man nicht“, wobei drei Phasen zu unterscheiden sind: Im Frühjahr hoffte man auf den Herbst.

Im Herbst herrschte eine kaum verhehlte Empörung über „die Frechheit der Bundesregierung, zu sagen, dass die ganzen Vorschriften, die von unseren Kulturstätten im Laufe des Sommers mit viel Herzblut und Hirnschmalz umgesetzt wurden, um weiterspielen zu können, nun plötzlich nicht mehr gelten sollen“ – so die Worte des Geschäftsführers eines großen Musikverlags. Und jetzt, im Winter, greift beim erneuten Total-Lockdown die blanke Ratlosigkeit um sich. Die Musikverlage des Klassikbereichs sind mit dem Musikleben auf Gedeih und Verderb verbunden.

Zur längerfristigen Perspektive sind in der Verlagsbranche pessimistische Stimmen zu hören, der Glaube an ein Zurück in die Zeit vor Corona schmilzt dahin, und man beginnt sich mit dem sehr unangenehmen Gedanken vertraut zu machen, dass angesichts der Finanzlöcher in den staatlichen Haushalten die Subventionen für Orchester und Theater künftig geringer ausfallen könnten. „Dann entbrennen wieder Verteilungskämpfe zwischen Schwimmbädern und Opernhäusern, und dabei könnte die Musik der Verlierer sein“, befürchtet Christiane Albiez, Mitglied der Geschäftsleitung des Mainzer Schott-Verlags.

Zwar reagierten alle Verlage gegenwärtig auf die Nachfrage nach kleinen Besetzungen, doch das sei eine Notlösung und auf Dauer untauglich. „Ob eine große Oper von Henze sechsmal hintereinander gespielt wird oder ob ein Off-Theater eine Szene für zehn Instrumente und einen Sänger auf die Bühne bringt, ist ein Riesenunterschied. Das eine ist eine substantielle Einnahme für uns, das andere eben nicht.“

Bei Aufführungen hängen die Tantiemen, die sich Verlag und Komponist teilen, von der Zahl und dem Preis der verkauften Tickets ab. Das heute gern praktizierte Streaming ohne Publikum ist für die Rechteinhaber eine schlechte Alternative: Sie erhalten nur einen Bruchteil der Einkünfte aus einer Aufführung im vollen Saal.

Den Traditionsverlag Schott hat die Krise doppelt getroffen. Zum wirtschaftlichen Schlag, der die ganze Branche in die Knie zwingt, kommt bei ihm noch eine zutiefst enttäuschende Erfahrung ganz anderer Art. Das Unternehmen, das in Beethovens Geburtsjahr 1770 gegründet wurde und unter anderem Beethovens „Missa solemnis“ und die Neunte Symphonie erstveröffentlichte, wollte nun in Form einer großangelegten kulturellen Initiative seinen zweihundertfünfzigsten Geburtstag feiern. Das Virus hat alles zunichte gemacht. Quelle FAZ (Auszug).

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